Die Trennung von Kopf und Herz gibt es nicht

Ich möchte hier eine provokante These geben: Die Trennung von Kopf und Herz existiert nicht.

Ich versuche, die Impulse, die aus mir kommen zu verstehen und zu ordnen. Dafür nenne ich sie „Anteile“. Die Teilung in „Kopf“ und „Herz“ ist eine mögliche Deutung. Und sie ist in unserer westlichen Kultur tiiiiieeeef verankert. (Ja, ich habe ein Semester Philosophie studiert.) Ich kann aber auch ganz andere Anteil anwenden; z.B. Inneres Kind und Innerer Erwachsener.
Diese Einteilung in einzelne Anteile kann Orientierung geben und Identität. Sie kann aber auch vom Selbst wegführen. Dieser Halt kann einengen und Altes loszulassen hindern. Oder es schafft eine Dichotomie oder gar einen Antagonismus, wo keiner sein muss. Ich finde es desweges heilender die Frage zu stellen, was leben will. Wie ein aus mir kommender Impuls zum Lebendigen strebt.
Es ist dabei vollkommen egal, ob dieser Impuls von meinem Inneren Kind kommt oder vom Erwachsenen. Vom „vernünftigen“ Kopf oder vom „sentimentalen“ Herz. Jeden Impuls kann ich in mir wahrnehmen, in meinen Körper zurückverfolgen. Und die Anteile dabei „mit einander reden lassen“. Im besten Fall höre ich auf, diese Anteile zu trennen. Ich mache mich mit diesem Prozess offen für alles, was aus mir kommt. Ich weiche die Grenzen innerhalb meines Selbst auf und werde dabei eins.

Ich würde das ganz simpel mit den Vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation machen. Zuerst: Was ist der Auslöser? Dann: Was fühle ich dabei? Und dabei können ganz viele auch widerstrebende Gefühle auftauchen. (nicht nur von „Kopf“ und „Herz“, sondern mehr Aspekte) Für jedes nehme ich mir Zeit. Ich entwirre das Wirrwarr und „höre“ alle Gefühle. Und hinter diesen Gefühlen werde ich Bedürfnisse entdecken. Verschiedene Bedürfnisse, die alle aus mir kommen, aus meinem Körper. Die danach streben, mein Leben zu sichern, zu bereichern und zu verschönern. Auch hinter den Impulsen des „Kopfes“ steckt letztendlich der Antrieb, meinem Leben zu dienen. Es kann nur schwerer fallen, dies in den Körper zurückzuführen, denn in unserer traditionellen Deutung ist der Kopf ja eben vom Körper und Herzen getrennt. Aber auch hierhinter steckt ein Bedürfnis. Und dies gilt es wahrzunehmen und wertzuschätzen!

Sätze und Impulse vom „Kopf“ kann ich so deuten, dass es erlernte Strategien für Bedürfnisse sind und dies bei dem Lernprozess nicht vollständig in den Körper integriert wurde. So bleiben diese Sätze und Impulse teilweise im Außen verhaftet. Ein Teil von uns erkennt an, dass es gut wäre, so zu handeln. Er hat es „verstanden“. Und gleichzeitig bleibt dieser Impuls isoliert, wenn wir ihn nicht in unseren Körper verfolgen. Oft wird der „Kopf“ auch noch als superior bewertet – was diesen Impuls noch weiter isoliert.
Vielleicht kann ich sogar so weit zu gehen zu sagen, dass Impulse, die „vom Kopf“ kommen, negativ von Außen erlernte Handlungsmuster sind. Wenn sie aufgerufen werden, kommen die negativen Gefühle, in denen sie erlernt wurden, hoch. Weil wir diese Gefühle aber nicht (mehr) wahrnehmen und diese erlernten Handlungsmuster als sinnvoll bewerten, kommt es uns so vor, als käme dieser Impuls von einer anderen Instanz als dem in uns verankerte, liebenden Lebenswillen.

 

Noch ein Satz zu Anteilen: Ich möchte Anteile nicht direkt als Anteile begreifen, sondern als Qualitäten meiner Selbst. Es gibt dann keine Grenzen dazwischen. Vielmehr sind es Aktions- und Wahrnehmungsmodi.

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