Kindsein

Ich mache mir seit längerem Gedanken, was es heißt, Kind zu sein. Auch weil ich Erziehungswissenschaften studiere und an einer demokratischen Schule arbeiten will. Kinder sollen nicht weniger Rechte als Erwachsene haben. Aber Kinder brauchen eine andere Behandlung als Erwachsene. Und mir ist gestern aufgefallen, dass ich in meiner Familie vermisse, Kind sein zu dürfen.

Das macht für mich erstmal so keinen Sinn. Als Kind behandelt zu werden, heißt für mich eigentlich bevormundet zu werden, nicht ernst genommen zu werden, sich an die Vorstellungen und Regeln der Erwachsenen anpassen zu müssen. Das ist bisher meine Semantik vom Kindsein.

Und gestern ging mir auf, dass ich von einer anderen Art Kindsein sehr viel mehr gebraucht hätte und immer noch in diesem Sinne als Kind behandelt werden will! o.Ô
Ich meine damit, dass ich nicht in die psychischen Probleme meiner Mutter hineingezogen werden will und als Freundin missbraucht werden will.
Gerade wird etwas schärfer: Es ist eine Sache ein Kind ernst zu nehmen, eine andere mit ihm die eigenen Probleme zu erörtern oder von ihm Lösungen zu wollen. Natürlich fingiert dieses „Gespräch auf Augenhöhe“ Gleichberechtigung. Aber Kinder sind nicht dazu da, in die Probleme ihrer Eltern hineingezogen zu werden. Das ist nicht heilsam. Sie sollten in der Gegenwart ihrer Eltern sich einzig und allein um sich selbst kümmern dürfen und nur sie im Mittelpunkt stehen.
Und ich bin noch lange nicht so weit aufzustehen und mich um meine Eltern zu kümmern, denn ich stehe (nach wie vor) nicht in meinem Mittelpunkt.

27.07.2014

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